Mai 16, 2012

es kam und ging und kam und ging

wachte auf und war alt
oder dachte es
und alles alte kam und ging
und kam und

alte gespräche
mit mir und alten freunden,
wieder und wieder und ich

drehte mich im kreis,
wie ein alter tänzer
auf alten bühnen,
wo bretter knarzten
vor altem publikum
und
ihre glasigen hände
vergaßen den applaus
und ich
alte lieben,
die wie sand waren,
der mir nun
durch die finger glitt
und wir

fuhren auf die insel,
auf der ich jung gewesen war,
ich sah die sonne am horizont
und

stand am strand,
wellen trugen den sand davon
und mich und ich

ging zurück in die alte stadt,
brachte den sand der insel mit
in falten,
in poren der haut,
in lichter werdendem haar
und

sah die alten lichter
in flackernden laternen;
sie hielten sich kaum,
taumelten, schrien,
aus angst vor der ABSOLUTEN NACHT
und sie wurden teil der ABSOLUTEN NACHT
und erloschen sich und ich

wurde die ABSOLUTEN NACHT allein,
sie war ein labyrinth
und es war zwecklos,
gab die suche auf,
gab die tage auf,
schlief ein
und war jung
oder dachte es
und alles alte kam und ging
und kam und ging
und kam
und
ging

Apr. 6, 2012

Nachtmusik Nr. ∞

ich wachte auf in der
wind
        mühlen
                welt

und

trank mich durch dieses glas
durch eins mehr
rauchte dann
und wann wie ein schlot
mal wie ein kleines buschfeuer
und es brannte
und ich brannte auch

und

dampfte langsam
in der
                oasen
        fernen
wüstensonne

aber

ich brauchte es
und ich brauche es
und du brauchst es
damit man nicht dumpf wird
oder stumpf und schal
und schrumpft und versinkt

in der
wind
        mühlen
                welt

im
                mühlen
        wind
der welt

im
sonnen
        fernen
                oasental

Apr. 6, 2012

das kleine kometendetail

rythmische monotonie in den gliedern aller, die da unter der großen linde tanzen, betrunken, in vollkommener extase, in selbstvergessenheit.
es steckt alle an, die die tanzenden von ihren kometenumlaufbahnen beobachten, bis sie selbst in diese galaxie geraten, in der arme umher geworfen werden und hände und küsse und körper aneinander landen und sich umkreisen wie planeten, mal ferner, mal enger, dann schneller und schließlich magnetisch.

du sitzt derweil an einen baum gelehnt und versuchst ein kleines kometendetail zu vergessen.

Febr. 28, 2012

auf dem harfenmeer

du bist voller sonnenwut
fernab am westufer im
land der verbote und
wüstenroter bruderküsse

die wellen trugen dich
zum see der trinker
dem harfenmeer auf dem
du spielst und spielst

und trinkst und trinkst

und was du brauchst ist liebe
du brauchst sie wie die mahlzeit,
den schlaf, den rausch,
das heimkehren

aber was du willst sind stürme
in die das segelboot gerät
und du im meer
der trübe himmel

durch wind und mond
sehe ich deinen schatten
am horizont, er flimmert denn
du flimmerst und spiegelst dich

du fatamorgana! du wüstenbild!

ich würde dich gerne wieder sehen
wenn du heimkehrst
wenn du sagst : «ich bin hier»
und es meinst

Jan. 31, 2012

und als ich aus der stadt kam
umgab mich plötzlich die schneestille,
in der alles klarer schien
und feiner

und ich spiegelte mich
in der kristallinen nacht
und die kälte klirrte
und wachte

und in der träumerei
sah ich eure hände
du trugst seine jacke
und er hielt dich

und ich
war niemand

und klarer funkelte die einsamkeit
und heller als je zuvor

es war ein ferner schlund
in den ich fiel
sirenentiefe
und rufe in der stille
und schnee

und als ich ankam
daheim
wo alles endet
und beginnt
lag ich im bett

und war
niemand

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